Krankenstation in Haiti

Der Karibikstaat Haiti ist das ärmste Land in der westlichen Hemisphäre. Der erste unabhängige Staat Lateinamerikas wird von regelmäßigen Hurrikans und starken Erdbeben heimgesucht. Darüber hinaus beeinträchtigen unstabile und massiv korrupte Regierungen den Aufbau einer zufriedenstellenden Infrastruktur erheblich.
Die südlich der Hauptstadt Port-au-Prince gelegene Kleinstadt Jacmel steht als Beispiel für die schlimme Lage in Haiti. 2010 erschütterte hier ein sehr starkes Erdbeben die Region. In Folge dessen zogen viele der Einwohner aus ihren zerstörten Häusern in die Außenbezirke von Jacmel, um in eigentlich für eine temporäre Zeit geplante Zelte und Baracken unterzukommen
In den so in kürzester Zeit entstandenen Vororten gibt es bis heute keine medizinische Infrastruktur.
In Kooperation mit dem Verein „Haiti-Nothilfe e.V.“ entschlossen sich die Studierenden der Hochschule Anhalt auf  dem Grundstück des von dem Verein gegründeten Waisenhaus FMCS (Foundation „Make Children Smile“)  eine Krankenstation für die dortige Nachbarschaft zu errichten.
Besonderheit bei diesem Projekt war es, Kinder und Jugendliche des Waisenhauses in die Bauabläufe einzubinden. Da es auch in Haiti kein Ausbildungssystem gibt, nahmen die jungen Menschen das Angebot zur Aneignung von handwerklichen Fähigkeiten liebend gern an. So halfen sie bei dem Mischen von Mörtel und Beton, beim Mauern und Streichen von Wänden oder während der Herstellung des Ringankers. Sogar an detaillierten Holzbauarbeiten waren sie sehr interessiert. So setzten die Jugendlichen ihre erlernten Fähigkeiten im Laufe des Projektes beim Bau von Möbeln ein.
Die Unterhaltung eines Waisenhauses wird naturgemäß von hohen Kosten begleitet. Um eine kleine alternative Unterstützung zu bieten, errichteten die Projektteilnehmer zudem einen Schulgarten für den Anbau von Obst und Gemüse sowie ein Hühnergehege für eine ergänzte Ernährung.
Grundlegend zeichnete sich dieses Projekt vor allem in der großartigen Zusammenarbeit nicht nur untereinander, sondern auch zwischen den An- und Bewohnern des Waisenhauses und des studentischen Projektteams aus.

Die Errichtung der Krankenstation soll den Anwohnern in der Umgebung die Möglichkeit geben grundlegende ärztliche Vorsorge zu empfangen und bei kurzen stationären Aufenthalten einen Raum zur Heilung zu geben. Es werden preisreduzierte und kostenlose Behandlungen angeboten. Gleichzeitig werden in der als gemeinnützig deklarierten Krankenstation Informationen über Infektionen, Krankheiten, Schwangerenvorsorge und aktuelle Krankheitserscheinungen bereitgestellt und vermittelt. Die zukünftigen Patienten, werden von einem Arzt und einer ausgebildeten Krankenschwester betreut. Das Team und die geplante Krankenstation sind der Bestandteil einer Erweiterung des äußerst schwachen medizinischen Angebots im Vorort.

Im Sinne der Interdisziplinären Zusammenarbeit beteiligten sich Studierende verschiedener Studienrichtungen am Projekt: Architektur, Design, Landschaftsarchitektur, Facility Management und Solartechnik.

Für die Studierenden  verbessert sich durch die Teilnahme an derartigen Projekten die Berufseinstiegschancen und sie lernen fachbereichsübergreifend zu Denken und zu Arbeiten.

Finanziert werden die Projekte durch Spenden, Fördergelder und Einnahmen aus Benefizveranstaltungen.

Im Frühjahr 2016 stellten der projektleitende Prof. Dr. Claus Diessenbacher sowie der Mitarbeiter und Vorstand des Mirador e.V. Michael Bieler das neueste gemeinnützige Bauprojekt interessierten Studierenden an der Hochschule Anhalt vor.

Ziel war es interessierten und engagierten Studierenden die Möglichkeit zu geben an einem praktischen und innovativen Bauprojekt teilnehmen zu lassen.

Nachdem sich sehr schnell ein studentisches Team formiert hatte begannen die Planungen mit einer Vorortrecherche nach Haiti, um die örtlichen Gegebenheiten zu erkunden.

Zurück in Deutschland konnten die ermittelten Grundlagen verwendet werden um erste Entwürfe für eine Krankenstation zu erstellen.

Im ständigen Kontakt mit den Partnern in Haiti wurden alle Planungsstände gemeinsam kommuniziert und bearbeitet.

Nachdem die Planungen für das Gebäude abgeschlossen werden konnten, ging es an die Bauvorbereitung. Dazu gehört unter anderem die Erstellung eines Bauablaufplanes, Planungen für Material- und Personeneinsatz und die handwerkliche Vorbereitung mit einem Maurerworkshop.

Ende 2017 war es soweit. Die ersten Projektteilnehmer machten sich auf den Weg nach Haiti um die Krankenstation zu bauen.

Im Vorfeld wurden bereits einheimische Arbeiter beauftragt, um das Fundament für die Krankenstation zu errichten. Diese Aufgabe wäre ein zu großer Akt für die Studierenden gewesen. Auch bei vielen anderen Gewerken benötigten sie das KnowHow der haitianischen Bauarbeiter.